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BDO Schifffahrtsforum 2018

Veröffentlicht am Mittwoch, 14. März 2018

Von LNG und Brennstoffzelle bis zu herausfordernden Dimensionen für Häfen und Berger

Am 27. Februar 2018 fand zum elften Mal das BDO Schifffahrtsforum statt. Zum ersten Mal war der Veranstaltungsort Hamburg. Und mit dem Blick auf Elbe und Hamburger Hafen hätte der Veranstaltungsort nicht besser gewählt werden können. Trotz Grippewelle und Schneefall fanden sich mehr als 100 Teilnehmer im Elbkuppelsaal des Hotel Hafen Hamburg ein und erhielten Einblicke in neue Antriebstechnologien und Innovationen in der Kreuzschifffahrt, die Problematik beim Bergen großer Schiffe und zu aktuellen Themen des Hamburger Hafens. Leider machte die Influenza vor Referenten nicht Halt, und so mussten Ove Meyer (Zeaborn Shipping) und Cornelius Bockermann (Timbercoast) ihre Vorträge kurzfristig absagen.

Klaus Eckmann, BDO Vorstandsmitglied, begrüßte die Teilnehmer des Forums. Die Schifffahrt verbinde nicht nur Standorte und Länder sondern auch Professionen und Menschen. Er freute sich das Forum erstmals in Hamburg eröffnen zu können. BDO sei seit fast einem Jahrhundert eng mit der Schifffahrt verbunden und bleibe dies auch weiterhin. Wie tief die Expertise reiche, zeige auch die Beauftragung durch die EZB zur Prüfung europäischer Schiffskredite.

Robert Brückner (BDO Oldenburg) und Ulrich Glaser (BDO Hamburg) aus dem BDO Branchencenter Logistik und Maritime Wirtschaft begrüßten anschließend Ingo Egloff als ersten Gastreferenten. Der Vorstand des Hafen Hamburg Marketing e.V. berichtete über aktuelle Themen des Hafens. Beim Rückblick auf das vergangene Jahr zog er trotz leicht rückläufigem Umschlag ein positives Fazit. Neben der allgemeinen Entwicklung thematisierte er auch die Elbvertiefung. Bereits in zwei Jahren könne sie abgeschlossen sein. Dafür müssten im März vor Gericht die Weichen gestellt werden. Die Verbindung zwischen Hafen- und Industriemetropole hob er ebenfalls hervor. Diese sei die Lebensversicherung für den Hafenstandort. Und auch zur Zukunft hatte er eine klare Botschaft: Hamburg sei gut aufgestellt. Wichtige Zukunftsthemen würden im Smart Port untersucht und ausprobiert. Nur so sei gewährleistet, dass der Hafen auch in Zukunft seine Berechtigung in der Stadt habe.

Nachdem er im vergangenen Jahr kurzfristig durch einen Einsatz als Bergungsverantwortlicher bei einer Havarie verhindert war, referierte im Anschluss Dennis Brand (brand Marine Consultants). Er gab den Teilnehmern Einblicke in die Probleme, die neue Schiffsdimensionen mit sich bringen. Denn diese seien nicht nur „wahnsinnig lang“, sondern auch „wahnsinnig hoch“. Dies führe zu großen Herausforderungen bei der Bergung. Schiffscontainer aus einer Höhe von über 50 Metern zu sichern, sei fast unmöglich. Man könne zurzeit noch nicht mit diesen Dimensionen umgehen. Zum Thema autonomes Fahren von Schiffen bezog er ebenfalls Position. In den ersten zehn Jahren würde dies wahrscheinlich viel Arbeit für sein Unternehmen bedeuten, denn menschliche und technische Fehler könnten auch hier häufig auftreten. Einen Tipp hatte der Bergungsexperte noch für seine Kollegen, um solche Folgen zu vermeiden: „Nicht dort fahren, wo Möwen stehen können“, habe ihm sein erster Kapitän immer geraten.

Über die Herausforderungen der Energiewende in der Schifffahrt sprach Gerhardt Untiedt, (Meyer Werft). Neben der Minderung ausgestoßener Schadstoffe habe die Reduzierung des Treibhausgases Kohlendioxid bei der Reduzierung der Emissionen oberste Priorität. Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erfüllen, müsse der Weg für alternative Technologien geebnet werden. Dabei sei der schnelle Erlass von IMO-Vorschriften essenziell, da diese für Reeder Planungssicherheit schafften. Die Zukunft gehöre auch der Brennstoffzelle, doch bis dahin seien sauberere fossile Antriebstechnologien – zunächst im Dual-Fuel-Konzept – die optimale Zwischenlösung. Auch die Politik adressierte Untiedt in seinem Vortrag. Es müssten Anreize für die Reeder geschaffen werden, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden: „Wer Dreck verursacht, muss dafür gerade stehen. Wer ihn nicht verursacht, muss belohnt werden.“

Andreas Ullrich (Bureau Veritas) stimmte seinem Vorredner zu. LNG sei die Zukunft. Die Akzeptanz für diesen Kraftstoff sei bei fast allen Reedern hoch. Und auch der Brennstoffzelle versprach er eine rosige Zukunft. Neben den technischen Innovationen in der Antriebstechnologie ging er auch auf alternative Designs in der Kreuzschifffahrt ein. Unter anderem seien neue Dimensionen bei Rettungsbooten von großer Bedeutung. Diese glichen von der Personenanzahl einem 30 Jahre alten Kreuzfahrtschiff. Und auch die Erforschung und Erprobung alternativer Materialien sei wichtig. Gleichzeitig gebe es Vorschriften wie „Safe Return to Port“ und den „Polar Code“, die bei der Planung eines neuen Schiffs zu berücksichtigen seien. Dabei gehe es nicht nur um technische Herausforderungen. Die Evakuierung eines Schiffes mit fast 12.000 Passagieren sei ein koordinatives Meisterwerk, denn schließlich müsse diese innerhalb von 30 Minuten erfolgen.

Nach fünf spannenden Stunden mit interessanten Themen und hervorragenden Referenten, anregenden Diskussionen und persönlichem Austausch luden die beiden Moderatoren die Gäste zum obligatorischen Get-together, hier wurde im Anschluss noch weiter über aktuelle Themen der Schifffahrt diskutiert. Und das nächste Schifffahrtsforum im Jahr 2019 ist bereits geplant.

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