Biogas in der Krise

Veröffentlicht am Freitag, 7. November 2014

Die Biogasbranche steckt in einer tiefen Krise. Diese betrifft nicht nur die Betreiber, sondern auch die Finanzierer, Produzenten, Rohstofflieferanten, etc. Wir haben ein Team zusammengestellt, das die Krisenursachen analysiert, Lösungsansätze aufzeigt und landwirtschaftliche, technische und betriebswirtschaftliche Kompetenzen vereint.

Ziele und Wachstumspfad bis 2011:
Die Biogasbranche sollte bei der Umsetzung der Energiewende eine tragende Rolle spielen, denn Biogas bietet im Mix der Erneuerbaren Energien mittels Speicherung des produzierten Biogases einen Vorteil: Das gespeicherte Biogas kann dann für die Produktion von Strom eingesetzt werden, wenn gerade der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint. Das nennt man Grundlastfähigkeit. So ist in den Jahren 2008 bis 2011 die Anzahl der Biogasanlagen stärker gewachsen als jemals zuvor. Der Fachverband Biogas e.V. nennt für 2011 einen Zubau von 1.300 neuen Biogasanlagen mit einer Leistung von 800 Megawatt.

Kehrtwende bei der Energiewende im
Bereich Biogas ab 2012:
Der Bau von Biogasanlagen war im Jahr 2012 aufgrund einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2012) sowie von bürokratischen Hemmnissen rückläufig, lt. Schätzung des Fachverbandes Biogas e.V. auf 194 Megawatt im Jahr 2013. Aber es kommt noch schlimmer: Am 27. Juni 2014 hat der Deutsche Bundestag das EEG 2014 beschlossen. Da nicht zu erwarten ist, dass im Bundesrat Mitte Juli 2014 noch Änderungen erwirkt werden, muss die Biogasbranche sich darauf einstellen, dass mit Ausnahme von Bioabfallanlagen und Güllekleinanlagen (bis 75 Kilowatt) kaum noch neue Anlagen errichtet werden.

Sanierungsfall Altanlagen:
Düster sieht es aber nicht nur für das „Neugeschäft“ aus, sondern auch für viele der in den letzten Jahren errichteten Biogasanlagen. Viele Biogasanlagenbetreiber stellen fest, dass die Wirtschaftlichkeit der Biogasanlage nicht oder nicht mehr gegeben ist. Aufgrund des hohen Investments in die Biogasanlage und den damit einhergehenden Anforderungen an die Bewirtschaftung und den Betriebsablauf wirkt sich eine mangelnde Wirtschaftlichkeit daher dramatisch auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Investoren aus. Das gilt sowohl für den Landwirt mit einer hofeigenen Biogasanlage als auch für eine rechtlich verselbständigte Biogasanlage z.B. in der Rechtsform einer GbR oder GmbH & Co. KG.
Was sind nun die Ursachen dafür, dass die Biogasanlage in eine Schieflage geraten ist? Selten ist die Schieflage einzig und allein auf eine Ursache zurückzuführen. Meist sind es mehrere Ursachen, die sich jeweils in unterschiedlichem Ausmaß im Ergebnis der Biogasanlage niederschlagen. Mit manchen schnell erkannten Ursachen muss der Biogasanlagenbetreiber (leider) leben, so z. B. mit negativen Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Weitere Ursachen liegen ebenfalls schnell auf der Hand,
so zum Beispiel:
a. Steigende Substratkosten bei Fremdbezug
b. Hohe Pachtpreise
c. Zu hohe Kosten für Eigenproduktion der Substrate
d. Zu hohe Kosten für Ernte der Eigenproduktion
e. Unzureichende Auslegung von Biogasanlage/Fermenter/
BHKW
f. Zu geringe Gasproduktion
g. Probleme bei der Prozessbiologie
h. Zu geringe Volllaststunden des angeschlossenen BHKW
i. Zu geringe eingespeiste Strommenge des angeschlosse-
nen BHKW
j. Zu hohe Betriebskosten pro eingespeiste kWh
k. Zu geringe Wärmeproduktion/Wärmeverwertung
l. Zu hoher Stromeigenverbrauch
m. Zu hohe Kosten je bezogene kWh für den
Stromeigenverbrauch
n. Zu hohe Ausfallzeiten
o. Zu hohe Wartungs- und Reparaturkosten

Die Folgen sind:
Die Wirtschaftlichkeit der Biogasanlage ist nicht mehr
gegeben.
Die Einnahmen reichen nicht aus, um neben den variablen
und fixen Kosten den Kapitaldienst zu decken.
Das Gesamtergebnis des land- und forstwirtschaftlichen
Betriebs leidet, Banken fordern Sicherheiten.
Der Biogasanlagenbetreiber hat das Heft des Handelns
nicht mehr in der Hand.

Die Erkenntnis:
Der Biogasanlagenbetreiber muss rechtzeitig handeln.
Für die Krisenbewältigung braucht der Biogasanlagebe-
treiber/Landwirt ein kompetentes Expertenteam an
seiner Seite, bestehend aus Landwirten, Technikern,
Betriebswirtschaftlern und Juristen.

Der Lösungsansatz PKF ARBICON:
Mit unserem breit aufgestellten, spezialisierten Team, wollen wir helfen, die Biogasanlage wieder auf „Vordermann“ zu bringen. Dafür muss festgestellt werden, wen bzw. was die Biogasanlage „braucht“. Beispielsweise eine Bank für eine neue Finanzierung, einen Prozessoptimierer für eine Verbesserung der Prozessbiologie, einen BHKW-Experten zur Beseitigung von hohen BHKW-Ausfallzeiten, einen neuen Stromlieferanten zur günstigeren Versorgung mit Eigenstrombedarf oder einen Wirtschaftsprüfer/Steuerberater, z. B. für die Aufbereitung der Zahlen und die Implementierung eines Controllingsystems. Selbstverständlich sollte ein Controlling eingerichtet werden, denn nur das, was geplant und analysiert wird, lässt sich auch steuern.

Unser Vorgehen:
1. In einem Vor-Ort-Gespräch verschaffen wir uns einen
Überblick über die Biogasanlage, um den Beratungsbedarf bei den relevaten kaufmännischen, technischen, biologischen, logistischen, rechtlichen und finanziellen Aspekten herauszuarbeiten.

2. Die darauf aufbauende detaillierte Unternehmensanalyse
startet mit einem „Hofgespräch“, in dem wir die Ist-Daten erheben, eine Benchmarkanalyse erstellen und uns mit der Beziehung zwischen der Biogasanlage und dem landwirtschaftlichen Betrieb befassen. Dieses gilt der Feststellung der Krisenursachen und zur Beantwortung der Frage, in welchem Krisenstadium sich die Biogasanlage befindet. Sodann erfolgt eine vorläufige Definition der notwendigen Maßnahmen (kaufmännisch, technisch, biologisch, logistisch, rechtlich). Bestandteil dieses Pakets ist zudem die Erstellung einer Planungsrechnung.

3. Bei fortgeschrittenem Krisenstadium kann sich eine Fort-
führungsprognose anschließen, in der die Maßnahmen zur Krisenbewältigung festgelegt und berichtsmäßig dargestellt werden.

4. Im nächsten Schritt erfolgt die Umsetzung/Begleitung der
erforderlichen Maßnahmen, die bei 2) oder bei 3) festgelegt wurden.

5. Zu guter Letzt umfasst unser Beratungsansatz die Imple-
mentierung eines Controllings mit monatlicher Soll-/Ist-Auswertung, Quartalsgespräch und Jahresgespräch mit Auftraggeber und ggf. auch mit Banken.

Unser Beratungskonzept
Das Beratungskonzept ist darauf ausgerichtet, den Status Quo zu erfassen, konkrete Maßnahmen (Optionen) zu erkennen und zu entwickeln und deren Umsetzung aktiv zu begleiten.

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