EEG-Förderung und Investitionsdelle: Die Themen des 7. Forums Erneuerbare Energien

Veröffentlicht am Mittwoch, 14. März 2018

Am 15. Februar 2018 veranstaltete BDO ARBICON zum siebten Mal das Forum Erneuerbare Energien in Oldenburg. Zum ersten Mal war das überregional aktive Oldenburger Energienetzwerk OLEC e.V. Mitgastgeber des Formats. Hochkarätige Referenten vermittelten den knapp 100 Teilnehmern Einblicke in ein vielfältiges Themenspektrum. Vom Klassiker Windenergie über Sektorkopplung bis hin zu Mobility-Lösungen sowie Bürgerbeteiligung und Finanzierung boten die Referenten einen Überblick über die gegenwärtige Situation sowie die Herausforderungen der Branche und zeigten Lösungsansätze auf. Im Focus der Referenten stand einerseits der Paradigmenwechsel bei der Abkehr von gesetzlich festgelegten Vergütungssätzen hin zu wettbewerblich über Abschreibungen ermittelten Vergütungssätzen und andererseits die Frage des wirtschaftlichen Weiterbetriebs von Windenergieanlagen, die in naher Zukunft aus der festen EEG-Vergütung herausfallen.

Frank Reiners, Geschäftsführer Advisory Services der BDO ARBICON, eröffnete die siebte Auflage des Forums und zog für das vergangene Jahr ein durchwachsenes Resümee für die Branche. Wiederum hohen Zubauzahlen im Jahr 2018 ständen unsichere Aussichten für die Jahre 2019 und 2020 gegenüber, da bei den in 2017 durchgeführten Ausschreibungen für Windenergie an Land zu einem großen Teil Projekte einen Zuschlag erhielten, die bisher über keine BImsSchG-Genehmigung verfügten und bei denen die Realisierung daher mit einem Fragezeichen zu versehen sei. Insofern begrüßte Frank Reiners die Botschaft im Koalitionsvertrag, wonach im den Jahren 2019 und 2020 Sonderausschreibungen im Bereich „Wind Onshore“ mit einem Volumen von 4.000 MW angekündigt wurden, wobei die Ausschreibungsteilnehmer zwingend über eine BImSchG-Genehmigung verfügen müssten, um die Projekte kurzfristig realisieren zu können. Ferner sei eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung essenziell für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien. Dabei sei auch die Politik gefordert, da die rechtliche Lage unsicherer geworden sei bei gleichzeitig immer komplexeren Systemen.

Daran knüpfte Dr. Norbert Gebbe an. Der Leiter Projektentwicklung Innovationsprojekte der Innovationszentrum Niedersachsen GmbH –einer 100%-igen Landesgesellschaft – präsentierte verschiedene Beispiele aus dem Netzwerk Bürgerenergiegesellschaften Dieses Netzwerk fungiert als „Kuppler“ bei Projekten der Sektorkopplung und Erneuerbaren Energien. Dabei bringt das Netzwerk Partner aus unterschiedlichen Branchen und Bereichen zusammen, um mit ihnen gemeinsam Lösungen für „große Ideen“ zu erarbeiten.

Patrick Koch, Head of Origination der Statkraft Markets GmbH behandelte die Frage, was nach den gesetzlich festgelegten EEG-Vergütungssätzen kommt. Wie sich Marktpreise und anzulegender Wert nach dem EEG zusammensetzen, schlüsselte er detailliert auf. Das Resultat für Windkraftanlagenbetreiber war ernüchternd. Der Strompreis am Markt liege 55 Prozent unter dem EEG-Förderungspreis. Doch die Schere zwischen anzulegendem Wert und Marktpreis gehe noch weiter auseinander, falls keine Lösungsansätze präsentiert würden. 2017 lag der Preis für Windstrom durchschnittlich 19 Prozent unter dem Baseload-Preis. Als Lösung regte er an, jederzeit zu belegen, regenerativen Strom zu erzeugen und somit einen höheren Preis zu erzielen. Doch ein Allheilmittel sei dies nicht, könne der anzusetzende Betrag nicht ansatzweise die wegfallende Förderung ausgleichen.

Eckhard Kuhnhenne-Krausmann, Geschäftsführer der enervis energy advisors gmbh, betrachtete die Windenergie außerhalb der Auktion. Dabei zog er Vergleiche zu Monopoly. 2017 sei für viele Marktteilnehmer ein Aufenthalt im Gefängnis gewesen. „Gefangen in Ausschreibungen“, da sie nicht auf die niedrigen Gebote der Bürgerenergiegesellschaften gesetzt hatten. Auch bei den Zulassungen sei das vergangene Jahr ein „Desaster“ gewesen. Insbesondere der Gesetzgeber habe hierzu mit „Missmanagement“ beigetragen. Viel zu geringe Mengen seien über das BImSchG genehmigt worden. Sollte dies 2018 fortgeführt werden, werde eine künstliche Verknappung entstehen. Mit dem Bundesratsentscheid und den im Koalitionsvertrag festgehaltenen Sonderausschreibungen habe die Politik zwar reagiert. Nun sei abzuwarten, wie diese greifen.

Mit Blick auf den gesetzlichen Rahmen bei Bürgerbeteiligungen und Praxiserfahrungen im Billigungsverfahren mit der BaFin beendete Sonja Hannöver von BDO ARBICON den ersten Teil des Forums. Die finanzielle Projektbeteiligung von Bürgern sei häufig dem Drängen von Kommunen geschuldet, den Bürgern vor Ort als „Betroffene“ eine Beteiligungsmöglichkeit zu bieten um auf diese Weise die Akzeptanz zu fördern. Bei der Ausgestaltung der Beteiligungsform sei kaum noch eine nicht in ein aufsichtsrechtliches Billigungskorsett geschnürt. Somit greife die Prospektpflicht fast immer und man macht zwangsläufig Bekanntschaft mit der BaFin. Durch Korrekturschleifen und Bearbeitungsfristen sei eine Zeitspanne von drei Monaten zwischen Prospekteinreichung und Prospektbilligung durch die BaFin realistisch. Auch nach der Billigung geht es weiter: Nachtrags- und Mitteilungspflichten dürften im Anschluss an die Billigung auf keinen Fall vernachlässigt werden, so Hannöver.

Gerrit Schmidt von der NordLB sprach über neue Finanzierungsanforderungen und -herausforderungen angesichts des Ausschreibungsverfahrens EEG 2017. Zwar sei bei fast allen Banken im Jahr 2017 die Finanzierungsbereitschaft und der Umfang der Finanzierungsanfragen noch sehr gut gewesen, doch spüre man seit dem zweiten Halbjahr bereits „die Delle, die bei Projektentwicklern und Herstellern schon länger da ist“, so Schmidt. Dadurch entstünden insbesondere für die Initiatoren Vorteile bei der Finanzierung. Der Wettbewerb werde im Finanzierungsbereich in Zukunft steigen. Eines sei jedoch sicher, Projektfinanzierung sei weiterhin möglich.

„Unsere Welt wird komplexer, dadurch rückt der Markt näher zusammen“, so fasste Dr. Heiko Rüppel von enercon die aktuelle Situation in der Energiebranche zusammen. Immer häufiger erfolgten deshalb Kooperationen. So sei enercon neben dem Kerngeschäft der Herstellung von Windenergieanlagen nun auch in anderen Bereichen tätig. Dabei seien die 30-jährige Erfahrung und das Know-how aus der Windkraft sehr hilfreich. Mit Ultraladestationen wolle man in der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität eine attraktive Alternative an Hauptverkehrspunkten schaffen. „400 Kilometer Reichweite in zehn Minuten Ladezeit – solange wie ein normaler Tankvorgang“, formulierte der Projektentwickler das Ziel. Und dabei solle nicht nur der aktuelle Standard für E-Autos sondern auch zukünftige Fahrzeugtypen abgedeckt werden.

Was der Ablauf der 20-jährigen EEG-Förderung nach sich zieht, erklärte Frank Weise. Mit dem Ende der Förderung sei auch die Betriebsgenehmigung verknüpft, so der Geschäftsführer der WindGuard Certification GmbH. So müsse auf Betreiberseite geprüft werden, ob sich ein Weiterbetrieb der Windenergieanlagen wirtschaftlich rechne. Dazu komme eine technische Abnahme – unterteilt in Analyse und Inspektion. Diese sei notwendig, um eine Genehmigung zu erhalten. Häufig betrage die Restlebensdauer noch mehr als zwei Jahre, teilweise sogar deutlich länger.

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